Z' Alp ga....


Mehr als nur einen Besuch wert - die Schweizer Alpenregionen!
So schön die Heimat auch sein mag, so wichtig ist es hin und wieder den Blick über die Grenzen zu richten, um neue Horizonte zu entdecken und dabei die Dimension der schier unendlichen, wunderschönen Alpenregionen zu erfassen.
Das Wertvollste daran sind neben der prachtvollen Natur die zahlreichen Begegnungen mit Menschen, die zu Freunden geworden sind, sowie das Wiedersehen mit unseren Pinzgauern, die mit dem Umzug in die Schweiz wahrlich kein schlechtes Los gezogen haben!
Hans Aegerter aus Oberwil im Schweizer Simmental war einer der ersten, der Anfang der 2000er-Jahre Pinzgauer in die Schweiz importiert hat. Seine Liebe gilt im Besonderen dem Alpleben, war der knapp 83-jährige mehr als 50 Jahre im Besitz der Hinter-Richisalp und neben seiner Tätigkeit als Älpler auf hunderten Schweizer Alpen unterwegs, um als Käse-Taxierer die Qualität des produzierten Alpkäses zu überprüfen.
Umso verwunderlicher und kaum nachvollziehbar, was Aegerter zusammen mit seiner Frau Vreni geleistet hat, wenn man bedenkt, dass die Hinter-Richisalp über keinen Fahrweg verfügt und einen Fußmarsch von mindestens einer halben Stunde bedingt, um einen geländetauglichen Fahrweg zu erreichen.
Die Leidenschaft für Kühe, die sich für die Alp bewähren, erklärt Hans' großes Interesse für die Pinzgauer, allerdings auch ihre Schönheit und ihr besonderer Charakter, über den Schweizer Züchter insgesamt ins Schwärmen geraten.
Mit dem gemeinsamen Besuch auf der Alp Grubenberg traf man somit gleich zwei Fliegen auf einen Schlag - zählte diese noch zu den wenigen weißen Flecken auf Hans' "Alpkarte" und beim Zusammentreffen mit Martin Kriegner und dem ersten Blick in den Alpstall war das Funkeln in Hans' Augen zu sehen, stachen aus der schönen Kuhherde die beiden Pinzgauerinnen besonders heraus!
Aber nicht nur Pinzgauerinnen sind hier zu Hause, sondern auch ein Österreicher - Martin Kriegner, der im nächsten Jahr sein 20-jähriges Jubiläum als "zuagroaster Schweizer" feiert und seine Berufung zweifellos gefunden hat. Ein Blick in den Stall verrät bereits die Leidenschaft für Martins Leben und Arbeiten und die Beobachtung beim anschließenden Käsen lässt keinen Zweifel aufkommmen, dass der Weg dieses Menschen (der über die Textiltechnik zur Intensivpflege in der Kardiologie führte) unbestritten die beste Richtung nahm, als er 2003 die erste Auszeit z'Alp nahm und vermutlich Feuer für das Leben und Arbeiten in der Schweiz fing.
Der ersten Alpzeit folgte im Sommer 2004 die nächste, dazwischen widmete sich Martin wieder durchgehend der Pflege, bis 2009 wieder die Alp Grubenberg rief und sich somit abzeichnete, dass der Lebensmittelpunkt ab 2010 nur mehr der Schweiz gelten sollte!
Der unfassbaren Freude und Liebe, welche der geborene Mühlviertler ausstrahlt, kann sich niemand entziehen - sie nimmt einen förmlich im Besitz und ist im Umgang mit Martins Mitmenschen sogleich zu spüren - so war das Zusammentreffen mit dem "Älpler-Urgstein" Hans Aegerter nicht nur ein sehr berührendes - mit der Tatsache, dass man als Außenstehender kaum ein Wort des Berner Dialektes verstehen konnte, kam klar zum Ausdruck, dass Kriegner mehr als nur angekommen ist - er versteht sich als Einheimischer, der nicht nur seiner Leidenschaft als Bauer nachkommt, sondern auch die Hauptrolle in derTheatergruppe "Beleidigti Brötli" bekleidet und im Winter einmal wöchentlich als Servierkraft in einem Restaurant anzutreffen ist - "um unter den Menschen zu sein", wie Martin sagt!
Trotz dem sich Martin im Schweizerischen Saanenland daheim fühlt, darf die "alte Heimat" eine entscheidende Rolle spielen - hat sich Kriegner mit dem Kauf seiner ersten beiden Pinzgauerinnen im Frühjahr 2024 bekanntlich einen großen Wunsch erfüllt. Beide haben ihm ein Kuhkalb geschenkt und werden in den nächsten Wochen trockengestellt, um im Herbst die Herde wieder entsprechend zu vergrößern (vorsorglich wurden beide mit gesextem Sperma aus Fabius besamt ;).
Vorher dürfen sie gemeinsam im Pulk von gut 40 Kühen (neben seinen eigenen Kühen hat Martin noch 20 Zinskühe z'Alp) den mehrstündigen Heimweg nach Schönried antreten und ihrer Freude über den geglückten Alpsommer lautstark Ausdruck verleihen!
Einen schönen Alpsommer verleben auch die Kühe von Familie Isch-Marti auf der Oberen Walalp unterhalb der Stockhorn-Nordwand, während sich die Großfamilie am Hof in Oberburg/Emmental um Kultivierung und Vermarktung ihrer unzähligen Heilkräuter kümmert.
Schon der Abstieg von der Bergstation verrät nach dem ersten Ausmachen einer Kuhherde, dass hier auch Pinzgauer mit dabei sind - drei Milchkühe von Margreth und Urs Isch-Marti liefern täglich ihren Anteil für den köstlichen Alpkäse, der von zwei fleißgen, sehr liebenswürdigen deutschen Studentinnen unter einfachsten Verhältnissen hergestellt wird.
Die Schönheit dieser Bergwelt mit ihrer bezaubernden Landschaft, einer staunenswerten Flora und begleitet von Menschen, die einen unweigerlich ans Herz wachsen, machen einen Ausflug in diese Region zu unvergesslichen Momenten, die mit keinem Geld der Welt zu bezahlen sind.
Am Ende ist es nicht nur die nahende Grenze zu Vorarlberg, sondern auch der Besuch bei Familie Engel im Bergsteigerdorf St. Antönien, im Prättigau, der einer wunderbaren Schweiz-Reise seine Vollendung gibt. Hier erfreuen sich nicht nur drei der sechs Milchkühe ihres Daseins (während die andere Hälfte ihren Sommer auf der Alp Partnun genießt), sondern auch alle, die für kurz oder länger Station nehmen.
Ob Gäste, Praktikanten oder Freunde, ihnen alle wird keine Bergbauernromantik vermittelt, sondern der pure Alltag einer Bauersfamilie, die eine nahezu unheimliche Zufriedenheit und Bodenständigkeit ausstrahlt, wie man sie kaum zu finden vermag - die aber mit Sicherheit das Erfolgsrezept von Vroni und Erwin Engel darstellt, weil es mitunter die Einfachheit ist, die den Blick aufs Wesentliche konzentriert und unwichtigen Dingen keinen Platz lässt.
Was bleibt sind unvergessliche Eindrücke von schier grenzenlosen Alp-Landschaften, die wir dank der Freundschaft zu besonderen Menschen erleben und erfahren durften - Menschen, die unsere Freude und Liebe zu den Pinzgauern teilen und die uns ein Stück ihrer Heimat und ihrer Arbeit nähergebracht haben und einmal mehr gezeigt haben, dass der persönliche Erfolg nicht unbedingt im Verdienen von Geld, sondern in der Erfüllung der jeweiligen Berufung liegt, der es zu folgen gilt!
Ein herzliches Vergelt's Gott für das unbezahlbare Gefühl des Willkommenseins und den Wert der gemeinsam verbrachten Zeit - in der Hoffnung auf ein Wiedersehen!
Christina & Thomas Sendlhofer


































